Über

Eines Abends überlegte jemand, welche Gute-Nacht-Geschichte er denn erzählen könne und ihm wollte einfach nichts einfallen. Da klopfte es dreimal laut an der Tür und als sie geöffnet wurde, stand ein Mädchen davor, welches sagte, sie sei „dat Prinzesschen“ und werde ab sofort hier wohnen.

Verwundert wurde dat Prinzesschen eingelassen. Sogleich erkundete es mit tapsigen Schritten und staunenden Augen die Wohnung. Die anfängliche Zaghaftigkeit, ja man könnte es auch Schüchternheit nennen, hielt aber nicht lange an. Schon bald hüpfte es auf dem Sofa herum, verwüstete die Küche, plapperte am laufenden Band und gestaltete die Wände mit Fingerfarben neu. Kurzum: Es machte sich breit wie ein Elefant, der versucht zwischen Porzellangeschirr und Glaskugeln eine Partie Squash zu spielen. Mit seiner lustigen, aufmüpfigen und liebenswerten Art, stellte es nicht nur die Marmeladengläser auf den Kopf.

Schnell war klar, dem Prinzesschen reichte der Platz nicht aus, es brauchte etwas Größeres, etwas das seinen Anforderungen gerecht werden konnte. Mit der Feder wurde es deshalb zu Papier gebracht und konnte sich in einer Handvoll Geschichten mal richtig austoben. Dat Prinzesschen war darüber so glücklich und zufrieden, dass sie das Küchengeschirr erstmal in Ruhe ließ und seine Zeit mit endlosen Streifzügen durch die Wälder, Wiesen und Orte des Königreiches verbrachte.

Aber dann passierte auf einmal etwas Schlimmes, etwas, womit niemand gerechnet hatte. Dat Prinzesschen verschwand auf einmal und geriet in Vergessenheit. Ja, es wurde sogar, wie einst Schneewittchen, für tot gehalten. Tage, Wochen, Monate, ja sogar Jahre vergingen, aber dat Prinzesschen blieb wie vom Waldboden verschluckt.

Doch eines schönen Tages, der Geschichtenschreiber machte gerade einen Spaziergang, sah er zwischen zwei Eichen unter einem Haufen Laub etwas aufblitzen. Sein erster Gedanke war, da muss ein Schatz liegen und schnell schaufelte er das Laub beiseite. Aber er fand weder Juwelen noch Goldtaler. Verborgen unter dem Berg Blätter lag dat schlafende Prinzesschen. Es trug ein blaues Kleid und eine Krone, die im Licht der Herbstsonne schimmerte. Aufgeregt rüttelte der Geschichtenschreiber am Prinzesschen und rief „Aufwachen!“. Aber es dauerte geschlagene zwei Stunden bis es aus dem Dornröschenschlaf erwachte (das ein einfacher Kuss dat Prinzesschen binnen Sekunden aufgeweckt hätte, wusste der Geschichtenschreiber damals noch nicht).

Es verging nur ein kurzer Augenblick, in dem dat Prinzesschen sich den Schlaf aus den Augen rieb und in die Sonne blinzelte, bis es begann vor Freude im Kreis zu springen und dem Geschichtenerzähler lachend in die Arme zu fallen. Es erzählte ihm von den Abenteuern, die es erlebt hatte, von den aufdringlichen Prinzen, die es loswerden musste, ja sogar davon, wie es sich für den Umweltschutz stark gemacht hatte. Und es bestand darauf, dass alles niedergeschrieben wird. Tag und Nacht füllte der Geschichtenschreiber Seite für Seite mit Tinte und nur wenn dat Prinzesschen auf seiner Lieblingseiche saß und träumte, gönnte es ihm einen Moment der Ruhe.

Eines Tages kam es dann mit schlammbespritzen Stiefeln, Blättern in den Haaren und einer laufenden Nase in die gute Stube und beschwerte sich, dass ihm Bites und Co. oder das gelegentlich ausgedruckte Blatt Papier nicht mehr reichen würden. Es hätte lieber ein richtiges Buch und vor allem wollte es endlich ein Bild von sich.
Schnell wurde eine Briefamsel losgeschickt und glücklicherweise fand sich in der Nachbarschaft eine talentierte Künstlerin, die dat Prinzesschen gerne bei sich einziehen ließ. Gemeinsam malten sie wundervolle Bilder vom Prinzesschen und seinen Abenteuern.

In einer riesengroßen unglaublichen Crowdfunding-Aktion sammelten Sabine und Tim dann einen Haufen Silber- und sogar einige Goldtaler ein und finanzierten damit den Druck der ersten Auflage.

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